Wie lerne ich eine Rolle kennen?

Eine Geschichte wird von Worten erzählt. Deshalb ist es als Autor unglaublich wichtig, die richtigen Formulierungen zu finden. Ein Theaterstück wird von den Rollen erzählt. Deswegen müssen die Rollen authentisch gespielt werden. Das ist gar nicht so leicht.

Um authentisch zu sein, reicht es nicht nur den Text auswendig zu können. Es gehören die richtigen Gesten und Mimik dazu, sich im richtigen Moment wegzudrehen, im richtigen Moment zu lachen. Der erste Schritt zu einer authentischen Rolle ist also, sich ganz genau zu überlegen, welche Emotionen in den verschiedenen Szenen in der Rolle vorgehen. Denn erst wenn das Gesprochene mit der Körpersprache übereinstimmt, wirkt die Person echt und der Zuschauer wird in die Geschichte gesogen.

Aber auch das reicht noch nicht aus. Eine der größten Herausforderungen des Theaters ist die Zufälligkeit. Auf der Bühne kann immer etwas schief gehen. Und dann darf man nicht „aus der Rolle fallen“.  Nicht zu lachen ist dabei manchmal vielleicht die größte Herausforderung.

Um die Rolle so gut kennenzulernen, dass man auch in unerwarteten Situationen, so reagiert, wie die Rolle, gibt es einige Übungen. Dabei geht es immer darum eine andere Ebene des Charakters kennenzulernen. Je mehr Ebenen man kennt, desto mehr Situationen kann man ohne Probleme in der Rolle bewältigen.

  • Lebenslauf oder Steckbrief

Mit einem Lebenslauf oder Steckbrief kann man einige grundlegende Fakten über die Rolle festhalten. Diese Übung ist vor allem wichtig, wenn man eine Rolle frei erfindet oder das Textbuch nur sehr wenige Vorgaben liefert. Gibt es allerdings schon viele Angaben, ist man bei dieser Übung sehr stark an die vorhandenen Informationen gebunden. Dennoch kann es nützlich sein, diese auf einen Blick festzuhalten.

  • Mindmap oder andere Kreativtechniken

Hier sollen alle Ideen, die ein Schauspieler zu einer Rolle hat auf ein Blatt gebracht werden. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Hier kann man sich direkt auf Emotionen oder Gesten beziehen oder auch auf die Beziehung zu anderen Rollen eingehen. Danach sollte man aber auch mit der Mindmap weiter arbeiten und die Ideen ordnen und auf der Bühne ausprobieren.

  • In der Rolle essen

Die Idee dahinter ist es, sich in einer Alltagssituation in der Rolle zu bewegen. Das kann man alleine zu Hause, zum Beispiel bei den Hausaufgaben, ausprobieren. Am besten funktioniert diese Übung auf einem Seminar, denn hier kann auch viel an den Beziehungen zwischen den Rollen gearbeitet werden. Das Besondere an dieser Übung ist, dass ohne vorgegebenen Text Situationen zwischen den Rollen des Stücks entstehen. Das kann helfen wenn es auf der Bühne mal zu unerwarteten Situationen kommt.

Wichtig für die ganze Rollenarbeit ist, dass man die Ergebnisse gut aufbewahrt. Vor allem eine Mindmap kann kurz vor der Premiere nochmal sehr dabei helfen, sich auf die Rolle einzustellen.  Dabei hilft es ein Rollenbuch zu haben, dort kann man alle Informationen und die Kritik aus den Proben festhalten und hat alles an einem Ort.

Außerdem sollte Rollenarbeit auch über die ganze Probenzeit überarbeitet werden. Man lernt Szene für Szene die Rollen besser kennen und dieses neue Wissen kann dann die Rollenarbeit beeinflussen.

Und wenn es dann bei der letzten Aufführung zu ganz unerwarteten Situationen kommt, können alle Rollen damit umgehen.